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Ego Stripp
Ego Stripp
Es ist mitten in der Nacht und alles um mich herum ist ruhig und still. Nach einem langen, anstrengenden Tag mit vielerlei Verpflichtungen sollte ich eigentlich auch längst schlafen und wohlig ausgestreckt in meiner behaglichen Liegestatt ruhen. Denkste. Nichts dergleichen. Jaaa, wenn jeder Tag eine Nacht mehr hätte, dann …
Irgendwann im Laufe meiner Lebensjahre bin ich durch die Gegebenheiten wohl zu einer Art menschlichen Nachteule mutiert. Das musste einfach passieren.
Alle Mütter dieser Welt – insbesondere die Berufstätigen – werden mir sicher voll und ganz zustimmen: Nur des Nachts kann man in Ruhe arbeiten. Vor allem kreativ tätig sein. Weil nur die Nacht die Ungestörtheit und die Konzentration ermöglicht, die so ein kreativer genialer Geist zum Arbeiten unbedingt braucht. Man ist ja als eine Fee der Tasten auch hochsensibel und schwer empfindlich. Die Königin des Netzwerks. Die Häuptlingin des Bluetooth. Die Herzogin des Internets. Der Guru aller plonten User. Die Heilerin aller doofen Userfehler. Die begnadete Virtuosin aller Verbindungen. „Spirit of the technical wonderworld“. Die Doofe, die sich in Windeseile sämtliche Handbücher für Soft- und Hardware reinziehen darf.
Und so sitze ich oft vom späten Abend bis zum frühen Morgen vor dem technischen Zauberkasten unserer Zeit, der die pausenlos hervorquellenden und genial sprühenden Ergüsse meines schöpferischen Geistes willig aufnimmt – geradezu danach lechzt, dass man ihm die leeren Chips auffüllt. Ja, sogar speichern kann dieses Ding, so dass ich meinen in Bytes und Bits, in Einsen und Nullen hinterlegten Genius - wann immer ich das brauche - bequem wieder abrufen und nachlesen kann. Damit frische ich auch mein Gedächtnis auf, das in der Tageszeit von sechs Uhr morgens und 22 Uhr Abend gemeinsame Sache mit diesem auf Teilzeitbeschäftigung abonnierten Gehirn zu machen scheint. Und das habe ich verdammt oft nötig.
Vor allem morgens so gegen sechs Uhr und fünfzehn Minuten. Wenn ich das Frühstück für den „besten Ehemann von allen“ und die wilde Kinderschar fertig vorbereitet habe und die ganze Bagage mehr oder weniger gewaschen und gekämmt in die Küche stürmt. Mit einem Tempo, als gelte es, sich die letzte Mahlzeit auf Erden zu sichern und einer Lautstärke, gegen die Jerichos Trompeten zu sanftem Säuseln verkommen.
Die Uhrzeit für das Frühstück musste ich so früh ansetzen, weil diese Kinder die Unverschämtheit besaßen, ganz nach ihren unmöglichen Eltern zu geraten. Und das heißt, dass man ständig mit mehreren durch eine normale Zimmertür zu kommen versucht. Bis endlich alle auch mit dem letzten Körperteil einigermaßen heil in der Küche angekommen sind und auf ihren Plätzen hocken, vertreibe ich mir die Zeit mir Fließbandschmierereien in Form von 2 Dutzend Schulbroten, verteile eine Kiste Äpfel, Bananen, Orangen, Mandarinen oder was immer in irgendeinem Laden kistenweise zu haben war. Und pansche mit dem zweiten Paar Hände praktisch gleichzeitig ungezählte Trinkflaschen voll für die lieben Kleinen.
Eines meiner ungeratenen Kinder besaß letztens sogar die Frechheit, mein Stammhirn mit einer sabbernden Oma zu vergleichen - also zahnlos und ohne Biss.
Sonst spuckt er nichts aus. Vegetiert wie leergefegt vor sich hin. Ja, © Copyright 2005 by Cora Corell
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